Carolin Widmann, Violine & Reinhard Goebel, Leitung
Mozart & seine Freunde
Dieses Programm stellt Wolfgang Amadeus Mozart und die Komponisten seiner Zeit in den Mittelpunkt und erzählt von einer besonderen Form der Freundschaft, die sich durch Inspiration, Austausch und gegenseitige Wertschätzung auszeichnet.
Karl Friedrich Abel war ein deutsch-englischer Komponist und Gambenvirtuose, der lange in London wirkte. Während Mozart 1764/65 als Wunderkind dort konzertierte, lernte er Abel kennen. Die frühklassische Sinfonietradition, zu der Abels Sinfonien gehören, prägte Mozarts frühe Sinfonien. Die Werke des französischen Geigers und Komponisten Pierre Gaviniès repräsentieren den internationalen Konzertstil, in dem auch Mozart eigene Violinkonzerte schrieb.
Mozart und der Violinist Thomas Linley lernten sich 1770 in Florenz kennen und freundeten sich an. Linleys Ouvertüre gehört zur Oper »La Duenna«, die Linley gemeinsam mit seinem Vater zum Libretto von Richard Brinsley Sheridan komponierte. Der frühe Tod des Freundes, den Mozart für ein »wahres Genie« hielt, beendete eine vielversprechende Karriere. Michael war der jüngere Bruder von Joseph Haydn. Er arbeitete lange als Hofkomponist in Salzburg, wo auch Mozart tätig war, der ihn sehr schätzte. Die beiden standen in engem kollegialen und freundschaftlichen Austausch.
Carolin Widmann, Violine
Reinhard Goebel, Leitung
Württembergisches Kammerorchester
Heilbronn
KARL FRIEDRICH ABEL
Sinfonie Es-Dur op. 7/6
PIERRE GAVINIES
Concerto für Violine F-Dur op. 4 Nr. 2
WOLFGANG A. MOZART
Rondo B-Dur KV 269
THOMAS LINLEY
Ouvertüre zu »La Duenna« D-Dur
MICHAEL HAYDN
Violinkonzert A-Dur
WOLFGANG A. MOZART
Rondo C-Dur KV 373
ABO-KONZERT HEILBRONN #9
DI 11.05.27 | 19.30 Uhr
Heilbronn, Harmonie
Einführung 18.50 Uhr
Carolin Widmann
Die künstlerischen Aktivitäten der vielseitigen Musikerin Carolin Widmann reichen von den großen klassischen Konzerten über für sie eigens geschriebene Werke, Soloabende, eine große Bandbreite von Kammermusik bis hin zu Aufführungen auf historischen Instrumenten, die sie auch von der Geige aus leitet. Carolin Widmann wurde 2017 mit dem Bayerischen Staatspreis für Musik für ihre Individualität und ihr außerordentliches musikalisches Können ausgezeichnet. Des Weiteren erhielt sie den International Classical Music Award (in der Kategorie »Konzert«) für ihre von der Fachpresse hoch gelobten Aufnahmen der Violinkonzerte von Mendelssohn und Schumann mit dem Chamber Orchestra of Europe, die 2016 bei ECM veröffentlicht wurden, und die Carolin Widmann von der Violine aus leitete. Als »Musikerin des Jahres« der International Classical Music Awards 2013 hat Carolin Widmann mit weltweit führenden Orchestern zusammengearbeitet, darunter die Berliner Philharmoniker, Orchestre de Paris, Orchestre National de France, Tschechisches Philharmonisches Orchester, Swedish Radio Symphony Orchestra, ORF Radio-Symphonieorchester Wien, London Philharmonic Orchestra, BBC Symphony Orchestra und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von herausragenden Dirigenten wie Sir Antonio Pappano, Sir Simon Rattle, Esa-Pekka Salonen, Riccardo Chailly, Edward Gardner, Vladimir Jurowski, Sakari Oramo, Daniel Harding, François-Xavier Roth, Santtu-Matias Rouvali und Jukka-Pekka Saraste. Außerdem tritt sie bei so bekannten Festivals wie dem Musikfest Berlin, den Salzburger Festspielen, dem Lucerne Festival, Edinburgh International Festival, Internationales Festival Prager Frühling, Pau Casals Festival und dem Festival d'Automne in Paris auf. Zu den jüngsten Erfolgen zählen Engagements mit dem London Symphony Orchestra, Philadephia Orchestra, dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, Danish National Symphony Orchestra, Seoul Philharmonic Orchestra, Royal Scottish National Orchestra den Münchner Philharmonikern, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem Irish Chamber Orchestra, dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, dem Hallé Orchestra, dem Netherlands Radio Symphony Orchestra, dem City of Birmingham Symphony Orchestra und dem WDR Sinfonieorchester in Köln. Carolin Widmann debütiert in der Saison 2025/26 mit einer Vielzahl von Orchestern, darunter mit dem Oslo Philharmonic Orchestra, Budapest Festival Orchestra, Tapiola Sinfonietta, Aalborg Symfoniorkester sowie dem Bruckner Orchester Linz. Weitere Projekte umfassen Wiedereinladungen zum City of Birmingham Symphony Orchestra, zur NDR Radiophilharmonie Hannover, zum Orchestre Philharmonique de Radio France und zum Gulbenkian Orchestra sowie eine Tournee durch mehrere Städte in Deutschland mit der Akademie für Alte Musik Berlin, bei der sie ein Programm als Solistin und Dirigentin leitet. Carolin Widmann wird in dieser Saison auch Artist-in-Residence der Philharmonie Essen sein und mehrere Kammermusik-, Orchester- und Education-Projekte leiten. Weitere Kammermusikprojekte umfassen Recitals im Pierre Boulez Saal und in der Wigmore Hall. Carolin Widmann spielt auf einer G. B. Guadagnini-Violine von 1782 als Leihgabe einer gemeinnützigen Stiftung.
Reinhard Goebel
Reinhard Goebel ist eine lebende Legende der Alten Musik und ein mitreißender Dirigent moderner Orchester. Er entdeckte bereits früh seine Liebe zur Barockgeige – und hat nie aufgehört, Fragen von Bogenstrich und Artikulation akribisch zu lösen, ob mit altem oder »modernem« Instrumentarium. Seit er vor einem halben Jahrhundert sein Ensemble Musica Antiqua Köln gründete, hat er Aufführungspraxis immer wieder neu definiert und seinen Ansatz auch auf moderne Orchester übertragen. Musica Antiqua Köln war über 30 Jahre lang Deutschlands virtuosestes und einflussreichstes Barockensemble, setzte Höchststandards der historischen Aufführungspraxis und beeindruckte mit einer legendären Zahl von Einspielungen. Goebel gelang es, im Konzertsaal ebenso brillant zu klingen wie auf Tonträger – eine absolute Ausnahme im Bereich der Alten Musik. Schon kammermusikalisch rüttelte der Barockgeiger Goebel die Welt der Achtziger Jahre gehörig wach: durch seinen leuchtenden Ton und den vielfältigen Bogenstrich im »Musicalischen Opfer« und den Geigen-Cembalo-Sonaten von Bach, bei Telemann oder Corrette. Die Nebengleise der Musikgeschichte zu erkunden, war Goebel ein intellektuelles Vergnügen. Diese Lust wurde für das Publikum umso ansteckender, je mehr Musica Antiqua zum Barockorchester wurde, und so lösten nach und nach große Sängerinnen wie Anne Sofie von Otter oder Christine Schäfer die Barockstimmen früherer Aufnahmen ab. Bald zeichnete sich ein Wandel zum »traditionelleren« Klang ab, und seit der Jahrtausendwende steuerte Reinhard Goebel auf ein neues Medium zu: das moderne Orchester. Auf der Suche nach dem wahren Klang übertrug er nun mit gleicher Kompromisslosigkeit die Tugenden der Alten Musik auf moderne Streicher. Am Pult diverser Radiosinfonieorchester in Deutschland erweckte er Mannheimer Musik von Cannabich und Johann Christian Bach zu neuem Leben, mischte die Wiener Klassik auf und wies auf die vergessenen Komponisten im Schatten Mozarts hin. Noch zu den bekanntesten Mozartwerken hatte er Neues zu sagen, und immer mehr Orchester folgten ihm dabei: Bayerische Kammerphilharmonie und Mozarteum Orchester, Karajan Akademie der Berliner Philharmoniker oder hr Symphonieorchester, auch in Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und in Italien sorgte er für Furore. Dieser Weg gipfelte zum Beethovenjahr 2020 in seinem großen Zyklus mit Beethovens Zeitgenossen. Nach wie vor gehört aber auch Barockmusik zu seinem Fokus, etwa in seiner Arbeit etwa mit den Berliner Barocksolisten oder dem Neuen Bachischen Collegium Musicum in Leipzig Reinhard Goebel übernahm 2010 den Lehrstuhl für historische Aufführungspraxis am Salzburger Mozarteum–nicht nur für Spezialisten auf Barockgeigen. Zum Professor Reinhard Goebel wie zum Dirigenten gehören Leidenschaft, unerbittliche Genauigkeit und kritischer Geist. Er ist ein Intellektueller mit Feuer und Schwert in Gestalt von Geigenbogen und Partitur.



