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Kammermusikreihe - "Tradition und Avantgarde"

Seit Joseph Haydn, dem "Vater" des Streichquartetts, blieb diese Gattung der Kammermusik neben der Sinfonie der Innovations-Motor kompositorischer Entwicklung in Mitteleuropa. Beethoven, Schumann, Brahms, Debussy, Schönberg und Bartok schufen Bedeutendes und Neues in diesem Genre. Kehrseite der Medaille ist, dass zahlreiche, aus historischer Distanz als höchst wertvoll zu beurteilende Quartette kleinerer Meister den Sprung ins Konzertleben unserer Tage nicht schafften, da ihre Quartette zu wenig Neues und Eigenständiges beinhalteten. Einem jener Komponisten, dem Magdeburger Geiger Friedrich Ernst Fesca, wollen wir dies posthum ermöglichen. Fesca, der selbst aktiver Quartettgeiger war und sowohl am Kasseler, wie auch am Karlsruher Hof als Konzertmeister wirkte, ist einer jener Vertreter einer mitteldeutschen Frühromantik, die nicht mit den Grundregeln der klassischen Ästhetik brachen. Obwohl zu Lebzeiten als Quartettkomponist hochgeschätzt, gerieten Fescas Werke somit in Vergessenheit, auch sein Quartett op.12, welches er in seiner Kasseler Zeit 1817 komponierte. Bedenkt man, dass dieses Werk noch vor den späten Quartetten Beethovens und Schuberts entstand, erscheint es uns heute bemerkenswert modern. Über Joseph Haydn schrieb Peter Tschaikowsky, man dürfe nicht vergessen, "dass er nichts, gar nichts Geniales an sich hatte; alles ist bei ihm hübsch und nett, aber nicht mehr..." - Über Robert Schumann schrieb er dagegen, dass "er der markanteste Vertreter der zeitgenössischen Musik sei". Mit zwei kammermusikalischen Hauptwerken jener Tonsetzer geben wir dem Publikum Gelegenheit, Tschaikowskys Urteil kritisch zu überprüfen: Haydns "Kaiserquartett", die Referenz des Komponisten an seine Hauptstadt Wien und ihren Potentaten, geht formal und emotional weit über das "Hübsche und Nette" hinaus und darf als Meilenstein in der Quartettliteratur gelten. Robert Schumanns drittes und letztes Quartett in A-Dur, 1842 in Leipzig komponiert, lässt erahnen, was Tschaikowsky mit seiner Einschätzung sagen wollte: Form- und Satzprinzipien befinden sich in Auflösung und ordnen sich dem unbändigen, emotionalen Gestaltungswillen des Komponisten unter: Hier hat ein Avantgardist seine Visitenkarte hinterlassen, die ihm zu Lebzeiten viel Spott und Unverständnis einbringen wird. "Die Geschichte hat für Schumann noch nicht begonnen. Erst in fernerer Zukunft wird eine Beurteilung seiner schöpferischen Tätigkeit möglich sein." (P.I.T.)

Dienstag, 21. Oktober // 19:00 uhr

"Unter der Pyramide", Kreissparkasse Heilbronn

Joseph Haydn
Streichquartett C-Dur op. 76,3; Hob. III: 77 "Kaiserquartett"

Friedrich Ernst Fesca
Streichquartett d-Moll op. 12

Robert Schumann
Streichquartett A-Dur op. 41,3

Marlise Riniker // Violine
Jun Hee An // Violine
Götz Engelhardt // Viola
Patrick Burkhardt // Violoncello

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