"Die Winterreise für Kinder"

 

Franz Schubert // Winterreise D 911

bearbeitet für Singstimme und Streicher, gekürzte Fassung

 

Die Musik Franz Schuberts als programmatischer Schwerpunkt des Württembergischen Kammerorchesters im Jahr 2012 schließt natürlich auch die pädagogische Arbeit des Orchesters mit ein. Wie für die gemeinsame Musiktheaterproduktion des Theater Heilbronn und des WKO, die ab dem 17. Februar im Theater am Berliner Platz zu erleben ist, ist „Die Winterreise“ Grundlage eines Musikprojektes für die ganz jungen Konzertbesucher. Die Konzeption und Umsetzung obliegt dem hierin erfahrenen und mehrfach ausgezeichneten Ohrwurm-Projekt aus Frankfurt am Main. Ist denn die Thematik des kummervollen Liederzyklus‘ auch kindgerecht? Ja, behauptet das Ohrwurm-Projekt-Team rund um den Konzertpianisten und Künstlerischen Leiter des Projektes Christoph Ullrich. Gefühle des Verlassenseins in der Welt, Liebesentzug, Entfernung von Heimat und Familie und das Ausgesetztsein in der Kälte der Erwachsenenwelt betreffen in unserer Gesellschaft viele Kinder. Franz Schubert und die Texte des zeitgenössischen Dichters Wilhlem Müller schaffen es mit eindrucksvollen Bildern, die durchaus aus Kinderbüchern stammen könnten, diese Geschichte plastisch zu erzählen: Der rauschende Lindenbaum, der dem Wanderer letzte Zuflucht in der Natur verspricht; der Traum von Frühling, Blüten und Vogelgesang, der durch das Krähen der Hähne und das Krächzen der Raben zerstört wird; die Postkutsche, auf die man mit Herzklopfen wartet, die aber keinen Brief für einen dabei hat; die Krähe, die als einziger Wegbegleiter in der winterlichen Einsamkeit treu bleibt; die klirrenden Ketten und bellenden Hunde im nächtlichen Dorf und schließlich der Leiermann, der barfuß auf dem Eise schwankt und den dichtenden Wanderer endgültig aus der Gesellschaft hinauslockt. Aus unserer eigenen Kindheit wissen wir, wie sehr uns diese Lieder beschäftigt haben. Das Ohrwurm-Projekt will Kinder für klassische Musik begeistern. Um dieses Ziel bei Kindern aller sozialen und kulturellen Schichten gleichermaßen zu erreichen, findet das Ohrwurm-Projekt in der Regel an Grundschulen während der Unterrichtszeiten statt. Ein Ohrwurm-Projekt steht in der Regel auf vier „Füßen“: Unterrichtsmaterial, Lehrerfortbildungen, Unterricht in den Klassen und Konzerte mit professionellen Musikern. Seit 2002 werden so jährlich in rund 130 Konzerten ca. 15.000 Kinder erreicht. Viele werden für eine Musik begeistert, mit der sie sonst nie oder nur sehr oberflächlich in Kontakt kommen. Die Ohrwurm-Konzerte sind eine besondere Form von Musiktheater für Kinder. Sie werden von hochprofessionellen Musikern gestaltet, die erfahrene und oft international renommierte Solisten, Mitglieder großer Orchester und Hochschulprofessoren sind. All diese Maßnahmen haben die nachweisbare Verbesserung einer flächendeckenden und nachhaltigen musikalischen Bildung zum Ziel. Als „Nebeneffekt“ werden Fähigkeiten wie Kreativität, Intelligenz, Fantasie, Emotionalität, Konzentrationsfähigkeit und soziale Kompetenz gefördert. In Heilbronn haben die Schülerinnen und Schüler der am Projekt teilnehmenden Schulen im Herbst 2011 in einer intensiven Vorbereitung im Unterricht zu 15 ausgewählten Liedern des Zyklus Bilder, Bildergeschichten, Daumenkinos, Installationen und Skulpturen angefertigt. Diese werden während der Vorstellungen im März auf eine Leinwand projiziert und auf der Bühne und im Foyer ausgestellt. Die Kinder können schließlich bei einigen Liedern mitsingen oder sie mit Mitmachaktionen, Tänzen und Bewegungsspielen begleiten.

 

Konzeption: Ohrwurm-Projekt (Frankfurt)
Bariton: Matthias Horn
Klavier: Christoph Ullrich
Dirgent: Ruben Gazarian
Württembergisches Kammerorchester Heilbronn 

 

 

Die Reaktionen auf Inszenierung und Aufführungen waren durchweg positiv.
Nachfolgend einige Worte beteiligter Pädagogen:

Liebes Ehepaar Ullrich! Eure Aufführung mit dem Kammerorchester war klasse! Die Kinder und wir Kollegen waren begeistert über die kindgerechte Umsetzung der Winterreise. Ein ganz schwieriger Junge aus meiner Klasse, der neben mir saß, hat mir immer wieder zugeflüstert, wie toll der Wanderer singen kann und wie witzig die Krähe spielt. Er ist ein Kind aus einem eher bildungsfernen Elternhaus und hat wohl heute etwas von der Schönheit der Musik, abseits von Rock und Pop und Hip Hop..., erlebt. Auch die Ausstellung hat den Kindern gefallen, nicht nur die eigenen Bilder auf dem Beamer und der Stellwand zu sehen, sondern auch an den fremden Bildern zu erkennen, aus welcher Stelle der Winterreise die Bilder sind. Auch die schönen Bäume einer Klasse  mit dem Titel "Ich male mir den Winter" haben sie sofort erkannt und spontan im Chor das von uns auch erlernte Gedicht aufgesagt. Natürlich müssen wir jetzt noch etwas nacharbeiten und vor allem auch die Intrumentenkunde, die ich sonst immer gerne mit einem Konzertbesuch verbinde, nachholen. Denn die Vorbereitung auf den Besuch war doch recht umfangreich. Für Osterbasteleien bleiben uns jetzt nur noch zwei Tage. Fazit: Aufgrund der vielen von euch erwarteten Vorbereitung hatten meine Kollegen und ich schon Zweifel, ob uns das nicht doch alles zu viel ist und ob wir sowas wieder machen sollen, aber der Konzertbesuch war so überzeugend, dass wir doch gerne wieder mitmachen. Das nächste Projekt ist ja auch bestimmt wieder "leichter".Macht weiter so!

 

Lieber Herr Ullrich+Team! Ich war gestern und heute bei Schülervorführungen und ich bin begeistert! Auch die Großen haben "anständig" mitgemacht und einige, die vorher sehr genau wissen wollten, wozu man sich "so etwas" oder überhaupt Musik Unterricht antun muss, meinten, es wäre doch recht gut gewesen. Und das ist ein großes Lob aus dem Mund eines coolen 12 Jährigen, finde ich. Auch sehr skeptische Kollegen waren angetan, die Rückmeldung war fast durchgehend positiv. Meine Zweifel waren zum Glück unbegründet. Vielen Dank und ich hoffe, bis zum nächsten Jahr!

 

Hallo Herr Ullrich! Es war phantastisch am Montag!Nach der ersten Fortbildung im Oktober waren wir uns nicht so klar,auf was wir uns da eingelassen hatten.Die zweite Fortbildung machte vieles klarer und in der Nacharbeitung Ihrer Vorlagen merkten wir ,wie man auch schwierigere musikalische Bereiche einem relativ jungen Publikum nahebringen und das vielzitierte Zeitfenster nutzen kann.Wann ,wenn nicht durch uns kommen die Kinder mit Musik aus früheren Zeiten in Berührung und können Bereiche für sich entdecken,die nicht vom mainstream bedient werden!Meinen bzw unseren Schülern hat die Vorstellung am 26.3. und 28.3.unheimlich viel gebracht-auch der Unterricht davor war dank Ihrer Vorarbeit sehr intensiv und fruchtbar.Gestern hatte ich Elternabend und die Rückmeldung von Elternseite war eindeutig.Vielen Dank Ihrem Team für dieses Erlebnis!!!Dem Würrtembergischen Kammerorchester werde ich meinen bzw unseren Dank ebenfalls mailen .Wir freuen uns auf weitere Projekte und sind auf jeden Fall dabei. Bis dahin wünschen wir Ihnen allen alles Gute für Ihre weitere Arbeit und hoffen auf eine gemeinsame, Produktion im nächsten Jahr!